Mit 56 auf Instagram, TikTok und YouTube anfangen. Manchmal frage ich mich selbst, ob ich dafür nicht reichlich spät dran bin.
Viele Formate fühlen sich für mich nicht selbstverständlich an. Schnelle Schnitte. Trends. Begriffe, die ich erst nachschlagen muss. Plattformen, deren Regeln sich dauernd ändern.
Trotzdem bin ich dort.
Nicht weil ich so tun will, als wäre ich 25. Sondern weil Projekt Zweites Leben Menschen erreichen soll, die ebenfalls nicht mehr 25 sind.
Das Statistische Bundesamt zeigt, dass unsere Altersgruppe längst auf Social Media angekommen ist. 2025 nutzten 42 Prozent der 55 bis 64 Jährigen soziale Medien aktiv. 2021 waren es 29 Prozent.
Das ist für mich die interessantere Zahl. Nicht weil sie sagt, dass jeder auf Social Media sein muss. Sie zeigt mir, dass Sichtbarkeit dort keine reine Sache der jungen Generation ist.
Was mir daran fremd vorkommt
Ich muss mich an vieles erst gewöhnen. Vor einer Kamera sprechen fühlt sich anders an als ein normales Gespräch. Ein Reel in 30 Sekunden zu packen ist etwas anderes als einen Gedanken in Ruhe aufzuschreiben. Und ich will nicht jeden Trend mitmachen, nur weil er gerade Reichweite bringt.
Genau dort liegt für mich eine wichtige Grenze.
Ich will Social Media lernen. Ich will mich dafür aber nicht verkleiden.
Wenn ein Trend nicht zu mir passt, lasse ich ihn aus. Wenn ein Video ruhiger sein muss, wird es ruhiger. Wenn ich etwas noch nicht beherrsche, lerne ich es Schritt für Schritt.
Warum ich trotzdem sichtbar werden will
Projekt Zweites Leben lebt von einer einfachen Idee: Mit 50 plus ist noch nicht alles entschieden.
Ich selbst ordne gerade viele Bereiche neu. Arbeit. Gesundheit. Zukunft. Technik. Ein eigenes digitales Projekt. Genau darüber schreibe und spreche ich.
Wenn du wissen willst, warum ich mit 56 vieles neu ordne, habe ich das hier ausführlicher beschrieben.
Wenn ich diese Gedanken nur für mich behalte, erreichen sie niemanden.
Darum gehören Facebook, Instagram, TikTok und YouTube für mich zum Projekt. Nicht als Selbstzweck. Sie sind Wege zu Menschen, die ähnliche Fragen haben.
Mein Alter ist dabei kein Fehler im System
Lange dachte ich bei Social Media automatisch an jüngere Menschen. Die Zahlen passen nicht mehr zu diesem Bild.
Auch die Forschung schaut genauer hin. Die LMU München untersucht aktuell, welche öffentlich relevanten Inhalte Menschen ab 60 auf sozialen Medien nutzen.
Für mich heißt das: Menschen in meinem Alter sind dort. Sie schauen zu. Sie lesen. Sie reagieren. Manche veröffentlichen selbst.
Ich muss deshalb nicht jünger wirken. Ich muss etwas zu sagen haben.
Was ich bewusst anders machen will
Ich will keine Rolle spielen.
Ich will keine künstlichen Erfolgsgeschichten erzählen. Ich will keine schnellen Geldversprechen machen. Ich will auch nicht so tun, als hätte ich jede App und jeden Algorithmus verstanden.
Ich will zeigen, was ich selbst lerne. Was funktioniert. Was nicht funktioniert. Wo ich mich schwer tue. Und warum ich trotzdem weitermache.
Gerade das passt für mich zu einem Neustart mit 56.
Neu anfangen heißt nicht, plötzlich alles zu können. Es heißt, bereit zu sein, wieder Anfänger zu sein.
Bin ich also zu spät?
Für manche Trends vielleicht. Das stört mich nicht.
Für eine eigene Stimme bin ich nicht zu spät.
Ich bringe Erfahrungen mit, die ich mit 25 nicht hatte. Beruf. Familie. Fehler. Rückschläge. Entscheidungen. Neuanfänge.
Wenn Social Media mir hilft, diese Erfahrungen mit den richtigen Menschen zu teilen, lohnt es sich für mich, die Technik und die Formate zu lernen.
Aber in meinem Tempo und in meinem Stil.
Dein kleiner Check
Wenn du selbst denkst, du wärst für Social Media zu alt, stell dir drei Fragen:
- Was möchte ich erzählen oder zeigen?
- Wen möchte ich damit erreichen?
- Welche Plattform fühlt sich für einen ersten Test am wenigsten fremd an?
Du musst nicht überall anfangen. Ein Kanal und ein erster Beitrag reichen.
Hinweis: Die genannten Nutzungszahlen stammen vom Statistischen Bundesamt. Die persönliche Einordnung beschreibt meinen eigenen Weg mit Projekt Zweites Leben.

